The Making of TeleZone


die voraussetzungen für die entwicklung der telezone liefert die telerobotik. um konzept und idee der telezone zu verdeutlichen, ist es dienlich, sich kurz mit der geschichte dieser noch jungen technologie auseinanderzusetzen. telerobotik basiert auf dem konzept von teleoperatoren. teleoperatoren sind kybernetische maschinen, die in der lage sind, komplexe operationen auszuführen und dabei durch einen menschen kontrolliert werden. die vorsilbe "tele" bezeichnet hierbei die fähigkeit des mensch-maschinensystems, diese komplexen aufgaben unabhängig von entfernung und physikalischen hindernissen zu bewältigen.

teleoperation geht zurück bis in das frühe 19. jahrhundert. napoleon verlor damals gegen den schachspielenden automaten von baron von kempelen. was er nicht wußte – und erst edgar allen poe herausfand – war, daß sich im sockel des automaten ein zwergwüchsiger schachspieler versteckt hatte, der über eine geschickte mechanik und optik in der lage war, unentdeckt seine gegner zu bezwingen. seit den 50iger jahren dieses jahrhunderts wurde mit kraft-verstärkenden exoskeletten ("skelette" zum hineinschlüpfen, die die menschliche muskelkraft unterstützen), master-slave einheiten oder draht- und funkgesteuerten manipulatoren experimentiert. sie wurden in der raumfahrt, tiefsee oder atomindustrie eingesetzt, überall dort also, wo es dem menschen aufgrund der entfernung oder umweltfeindlichkeit nicht möglich war, in persona in aktion zu treten.
all diese künstlerischen oder technologischen anwendungen bildeten jedoch geschlossene systeme und waren nur für einzelpersonen zugänglich. es fehlte an einem interaktiven und dabei offenen medium, das schließlich mit dem internet als global vernetzten system zum austausch und zur bereitstellung von informationen und daten gefunden wurde. 1994 war es das "mercury projekt", das als erste telerobotik installation den benutzern des internets ermöglichte, einen roboterarm zu steuern und unterschiedliche aufgaben durchzuführen. 1995 folgte mit "telegarden" die erste multi-user telerobotikinstallation: ein garten, gepflanzt und gepflegt via internet.

das konzept der telezone legt nun den schwerpunkt auf die entwicklung einer gesellschaft von internet-usern, einer "virtual community". ein ziel der telezone ist es, diese sich stetig wandelnde gemeinschaft zu begleiten, die vorgänge zu dokumentieren und soziologisch auszuwerten. mehrere grundgedanken gaben den rahmen für das experiment vor:

  • ein roboter als kristallisationspunkt der community
  • architektur zur visualisierung der kommunikationsprozesse innerhalb der community
  • die entstehenden architekturen sollen sowohl im realen wie auch im virtuellen raum existieren
  • die community soll die möglichkeit haben, ihre eigene infrastruktur im netz auszubauen, zu verbessern und zu verändern, da nur so eine dynamische entwicklung gewährleistet wird
diese vorgaben stellten hohe anforderungen an das team. neben den "technischen" aufgaben galt es natürlich auch "gesellschaftliche" zu lösen. so wurde etwa die frage, "wie verklebe ich mit dem roboter kunststoffbausteine?" in unmittelbarer nähe zu "wie motivieren wir die community zur kommunikation?" diskutiert und gelöst. bei der entwicklung des user interfaces (also der telezone website) wurden neue wege beschritten und innovative lösungen gefunden. der besucher wandelt nicht mehr durch einen dschungel aus webseiten, sondern kann sich eine webseite nach seinen subjektiven bedürfnissen zusammenstellen.


ein zitat von pierre levy bringt den gedanken der telezone und den charakter des teams auf den punkt:

"a new type of artist appears, one who no longer relates the course of historical events. this new artist is an architect of the space of events, an engineer of worlds for billions of future histories, a sculptor of the virtual."



Erich Berger, Projektleiter TeleZone